Geschlechtergerechte Schule bedeutet: Jedes Kind in seiner individuellen Entwicklung begleiten

Geschlechtergerechte Schule bedeutet: Jedes Kind in seiner individuellen Entwicklung begleiten

Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Das gilt für jedes einzelne Kind – und in einigen Bereichen zeigen sich auch statistisch Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Gerade Jungen erleben in der Grundschule häufig, dass ihre Stärken und Bedürfnisse nicht immer zu den Erwartungen des klassischen Unterrichts passen. Langes Stillsitzen, frühe Anforderungen an eine saubere Handschrift oder stark verschulte Lernformen können für manche Kinder zur Belastung werden.

Die Lindenschule wird deshalb einen anderen Weg gehen. Kinder sollen auch in der Schule so sein dürfen, wie sie sind. Unsere Pädagoginnen und Pädagogen werden sie dort abholen, wo sie in ihrer Entwicklung stehen, und Lernangebote schaffen, die zu ihren individuellen Bedürfnissen passen.

Eine geschlechtergerechte Schule bedeutet für uns nicht, alle Kinder gleich zu behandeln. Sie bedeutet, jedes Kind entsprechend seiner individuellen Entwicklung zu fördern.

Gerade in den ersten Schuljahren können Unterschiede in der Entwicklung deutlich sichtbar werden. So entwickeln sich feinmotorische Fähigkeiten bei vielen Jungen im Durchschnitt später als bei vielen Mädchen. Wenn ein Kind bestimmte Fähigkeiten entwicklungsbedingt noch nicht mitbringt, helfen starre Erwartungen wenig. Von einem Kind eine perfekte Schönschrift zu verlangen, obwohl die notwendigen motorischen Voraussetzungen noch gar nicht vollständig ausgebildet sind, ist wenig sinnvoll. Es wäre vergleichbar mit einer Zahnspange für Milchzähne: Der Aufwand ist groß, der Nutzen gering und die Frustration vorprogrammiert.

Die Lindenschule wird deshalb davon ausgehen, dass Entwicklung kein Wettlauf ist. Kinder lernen nicht alle zur gleichen Zeit die gleichen Dinge. Manche lesen früh und schreiben später. Andere rechnen begeistert, während sie beim Schreiben noch Unterstützung benötigen. Wieder andere brauchen mehr Zeit, um sich zu konzentrieren oder ihre Bewegungen sicher zu koordinieren.

Deshalb werden wir Lernwege individuell gestalten und uns an den jeweiligen Entwicklungsständen der Kinder orientieren. Unsere Lernpläne werden Raum für unterschiedliche Geschwindigkeiten und Schwerpunkte bieten. Kinder werden dort gefördert, wo sie Unterstützung benötigen, und gleichzeitig in ihren Stärken bestärkt.

Geschlechtergerechtigkeit bedeutet für uns dabei nicht, Jungen und Mädchen in Schubladen zu stecken. Jedes Kind ist einzigartig. Dennoch berücksichtigen wir pädagogische Erkenntnisse über unterschiedliche Entwicklungsverläufe und achten darauf, dass daraus keine Benachteiligungen entstehen. Ein später entwickeltes Kind ist nicht weniger leistungsfähig – es befindet sich lediglich an einem anderen Punkt seiner Entwicklung.

Das zentrale Prinzip unseres Schulkonzepts ist die Demokratiepädagogik. Hierzu gehört, dass Kinder sollen lernen, Verantwortung für sich und die Gemeinschaft zu übernehmen, Entscheidungen mitzugestalten und die Perspektiven anderer zu respektieren. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Menschen unterschiedlich sind und unterschiedliche Wege des Lernens benötigen. Gleichberechtigung entsteht nicht dadurch, dass alle das Gleiche tun müssen, sondern dadurch, dass alle die Möglichkeit erhalten, ihre Potenziale zu entfalten.

Unser Ziel ist es, Kinder weder zu unterfordern noch zu überfordern. Erfolgreiches Lernen entsteht dort, wo Herausforderungen erreichbar sind und Fortschritte sichtbar werden. Wenn Kinder erleben, dass ihre individuelle Entwicklung respektiert wird, wachsen Selbstvertrauen, Motivation und Freude am Lernen.

Die Lindenschule versteht geschlechtergerechte Bildung deshalb als eine Pädagogik der individuellen Entwicklung: Wir schauen nicht zuerst auf das Geschlecht eines Kindes, sondern auf das Kind selbst. Denn jedes Kind verdient die Chance, in seinem eigenen Tempo zu lernen, sich zu entfalten und erfolgreich zu sein.